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Pfarrer in Wechmar

II. Von der Kirche und denen Schulen zu Wegmar.

§. 3. Von den Pfarrern allda

Seit der Reformation sind 15 Pfarrer allhier gewesen, als:

  1. N. Schmidt, primus Lutheranæ ecclesiæ pastor, von A. 1524. bis 1540. Von seinem Leben sind keine Nachrichten vorhanden.
  2. Reinhard Haase, von 1540. bis 1560. In seinem hohen Alter hat er A. 1557. einen Substitutum angenommen, Namens Conrad Krafft, mit dem er sich, ratione der Besoldung, selbst abgefunden. Weil aber Herr Kraft ein unverträglicher Mann gewesen, so ist er, nach dem Tode des Herrn Haaße, nicht zum Pastorat gelanget; dieser erfolgte 1560. Wo Herr Kraft hinkommen, ist nicht zu finden.
  3. M. Paulus Strohmer, [Strohmeyer] hat von 1560. bis 1575. allhier gestanden, und ist weiter nichts von ihm bekannt, als daß er vom Pastorat zu Sültzenbrück hieher gekommen.
  4. M. Andreas Gleichmann, so nur ein einziges Jahr, nemlich von A. 1575. bis 1576. hier gelebet. Er war zuvor Rector der Schule zu Ohrdruff, und zwar der erste, nachdem das Lyceum fundirt, kam von dar als Pfarr nach Schmalkalden, und 1575. zu hiesigem Pastorat, A. 1670.[?] war er Pfarrer zu Crawinckel vide P. I. dieser Sammlung 2. St. p. 22.
  5. M. Christoph Meng[e]wein, von 1576. bis 1593. ist von hier wieder weg, und als Superintendent nach Ohrdruff vociret worden.
  6. Michael Sachse, ist 1542. am Tage St. Michael zu Meringen, unter dem Fürsten von Anhalt, gebohren. Sein Vater hieß Celiax Sachse, seine Mutter Ursula, von Wollmersleben gebürtig, vid. Part. V. seiner Kayser. Chronica p. 298, da er bey dieser Nachricht von seiner Geburt hinzugesetzt: GOtt solle ihn ferner in seiner Gnade erhalten. Er sagte mit Martino: Domine, si prosim populo tuo, non denegabo labores. Er spricht daselbst, daß er, nebst der Kayser⸗Chronica, bey 30ten nützliche Tractate in Druck verfertiget, und mit Lesung und Schreiben sich Tag und Nacht zu üben, sey seine höchste Lust gewesen. A. 1562. ist er Schuldiener und Stadtschreiber zu Egeln, und A. 1563. nach Gräfen⸗Tonna als Pfarrer vociret worden, und ist allda in die 24 Jahr gewesen. A. 1587. hat man ihn nach Ohrdruff beruffen, als Schloß⸗Prediger, und ist 5 Jahre allda gewesen. A. 1593. ist er nach Wechmar translociret worden, und allda A. 1618. im HErrn seelig entschlaffen, ætat. 76 Jahr. Er muß auch mit seinem gnädigen Grafen, Hanß von Gleichen, Herr zu Stadt Rempta und Blanckenhain, der ihn von Egeln advocirt, einige Zeit herumgereiset seyn. Denn in seinen Predigten über die 10 Gebote spricht er in margine: Er habe sie zu Pyrmont angefangen, und zu Tonna und Ohrdruff in Wochen⸗Predigten fortgesetzet. Von den Kindern ist der einzige Johann Saxe bekannt, der sich zu Egeln muß aufgehalten haben. Von seinen Schriften sind mir folgende bekannt: 1) Methodische Kayser⸗Chronica. in fol. 1605., 2) Erklärung der Passions⸗Historie über den Marcum. 4. Leipzig 1608. 3) Ein Tractätlein über den Spruch Col. I. gelobt sey GOtt etc. Von eilferley Nutzbarkeiten des Blutes JEsu Christi. 4) Nutz⸗Predigten über die 10 Gebote, jedes durch 2 Predigten erkläret. Magdeburg 1609. 5) 8 Predigten von der letzten Posaune GOttes, oder von der Auferstehung und ewigen Leben. Leipz. 1598. 6) In der Dedication seiner Erklärung der Paßion gedenckt er des 3ten und 4ten Theils eines biblischen Rätzel⸗Buchs, so ihm in einem Brandt, der 1607. nothwendig in Wechmar entstanden, in Manuscript mit verbrandt wären. Es ist mir unbekannt, ob dieses Rätzel⸗Buch nach der Hand heraus kommen. Herr Pastor Syrbius in dedicat. renoval. Wechmariens. spricht zwar, daß es ihm bekannt sey. 7) Das historische Alphabet. 8) 3 Fest⸗Predigten vom Johanne dem Täuffer. 9) Manus Christi, das ist: Beschreibung der hülfreichen Hand Christi. Sein Bildnis, so A. 1601. gemahlet worden, steht 2mal in unserer Kirche, und dabey diese lateinische Verse:

Illa oculis gravitas, isthæc constantia fronte,

Hæc putas toto Saxonis ore nitet.

Dum sacra bis Senis natus mysteria pangit

Lustris et calamo scripta diserta notat.

Macte tua virtute senex! hac itur ad astra,

Ævoque asseritur, nomen honosque tuus.

  1. Melchior Mengewein von Bienstedt, ist 1618. mense Mart. Pfarrer allhier worden, und A. 1630. den 13ten Jul. in HErrn seelig verstorben. Dieser Herr Mengwein hat die Kirchen⸗Bücher allhier, so wir allhier als die ältesten aufweisen können, angefangen. Er hat mit seinem Weibe Margaretha 7 Kinder erzeuget, deren in den Kirchen⸗Büchern gedacht wird. A. 1625. den 21. Oct. ist unter ihm der erste Mann an der Pest gestorben, und von sonderlichen Todtengräbern begraben worden. A. 1635. zu großen Pest⸗Zeit, ist den 17. Aug. Johann Melchior Mengwein hier begraben worden, ob es ein Sohn oder Bruder des Pastoris gewesen, ist ungewiß. Siehe P. II. dieser Samml. 9. St. p. 78.
  2. Friedrich Töpfer war von Remstädt und vorher 1616. bis 1630. als Diaconus in Ohrdruff. A. 1630. mens. Nov. ist er als Pastor hieher gekommen. Dieser Mann hat wohl die betrübtesten Zeiten allhier erlebt, da die Pest dergestalt gewütet, daß im 1635sten Jahr auf 503 Personen, unter welcher Anzahl er selbsten auch mit den Seinen gewesen, dadurch hingerissen worden. Als die Pest in das Pfarrhauß kam, machte den Anfang: 1) Seine liebe Hauß⸗Frau Barbara † den 22. Oct. 2) Er selbst mit 2 Kindern, Anna Christina und Bernhard den 27. Oct. 3) Eine Tochter Catharina Margaretha † den 29. Oct.
  3. Christoph Sperber ist A. 1636. von Ohrdruff, da er als Diaconus gestanden, hieher vociret worden. Er muß keine menschliche Absichten bey der Annahme seiner Vocation gehabt haben, indem er zur würcklichen Pest⸗Zeit hieher kommen und eine sehr kleine Gemeinde gefunden hat. Nach der Pest müssen die betrübtesten Kriegs⸗Zeiten sich hier zu Lande eingestellt haben, indem der Pfarrer Weib und Kinder zur Sicherheit nach Ohrdruff gethan, und, ob er schon bey seiner Gemeinde verbleiben müssen, sich doch öfters, samt derselben, in ein Gehöltz, die Weiden genannt, so jetzt eine Viehweide ist, retiriren müssen. Von seinen Kindern meldet er folgendes: 1) Anna Christina ist den 10. Aug. 1639. zu Ohrdruff gebohren, allwo sich die Mutter wegen Kriegs⸗Unruhen hin begeben. 2) Christoph Wilhelm, † A. 1642. zu Ohrdruff. 3) Catharina Maria, den 21. Febr. 1646. zu Ohrdruff gebohren, † den 2. Aug. ej. anni. 4) Anna Margaretha ist 1649. den 22. May, weil die gantze Gemeinde wegen des Kriegs⸗Volcks ausziehen mußte, zu Ohrdruff getaufft worden. 5) Christoph Günther, gebohren den 10. Jul. 1647. 6) Michael, gebohren den 27. Mart. 1649. den 29. ejusd. A. 1652. den 18. Nov. ist Pastor im HErrn seelig verschieden, und den 21ten ejusd. christlich zur Erde von hiesiger Gemeindebestattet worden, also, daß die Gemeinde das Trauermahl gegeben, auch ben Sarg, Einkleidung und dergleichen bezahlet hat. A. 1636. da er hieher kommen, sind noch 59 Personen an der Pest gestorben.
  4. M. Herrmann Wolff ist 1653. in May von Ohrdruff, da er zuvor als Diaconus gestanden, hieher vociret worden. Er ist gebohren den 17. Jun. 1613. Sein erstes Eheweib, Anna Maria, ist allhier den 21. Mart. 1660. gestorben. A. 1662. den 22. Aug. stirbt, 12 Tage nach ihm, auch sein Eheweib, muß also in der andern Ehe gelebt haben. Er selbst ist 1662. den 10. Aug. seelig verschieden. Seiner Kinder treffe drey in den Kirchen⸗Büchern an.
  5. Ludolphus Chunimundus Bostar ist 1663. den 24. Febr. allhier Pfarrer worden, nachdem er zuvor ein Jahr Cantor und ein Jahr Schulmeister hier zu Wechmar, und hernach 32 Jahr und 15 Tage zu Emleben Pfarrer gewesen. A. 1671. den 24sten Sept. ist er allhier, nachdem er ein halb Jahr zuvor den Herrn M. Johann Heinrich Syrbius, wegen hogen Alters, zum Substituten bekommen, im 72. Jahr seines Alters im HErrn seelig entschlaffen, und hat die Gemeinde vor die Begräbniß⸗Kosten gestanden, als Sarg, Todtengräber, Läuter, Leichen⸗Predigt, Cantor, Adjuvanten, Flöre denen Geistlichen, Einkleidungen, Trauermahl und dergleichen. Seiner Kinder bemerke 5 in den Kirchen⸗Büchern, nemlich: 1) Agnes, geboren in Wechmar 1643. den 27sten Sept. , da er den 22sten ejusd. als Pfarrer in Emleben hier Gevatter gestanden, und ist vermuthlich geschehen, daß bey der Gevatterschaft die Frau Pfarrerin von der Geburt ist übereilet worden. 2) Johann Gottfried † den 17. Nov. 1665, im 17ten Jahr seines Alters als Studiosus. 3) Bernhard Zacharias, †1670. ætat. 23 Jahr. 4) Elisabetha. 5) Georg Heinrich, Studiosus, † den 26. Sept. 1669. ætat. 18 Jahr. In diesem Jahr sind auch wieder 47 Menschen verstorben.
  6. M. Johann Heinrich Syrbius, ist 1671. den 18ten May als Pastor Substitutus, da er in Wittenberg sich aufhielte, hieher vociret worden, und den 7ten Sept. ejusd. anni, als Herr Bostar verstorben, hat er das völlige Amt im 25ten Jahre seines Alters erhalten. Er war gebohren den 19ten April 1646. am Sonntage Jubilate zu Schönbrunn in Meißen. Sein Herr Vater war Jacob Syrbius, Pfarrer daselbst, die Mutter hieß Dorothea, eine gebohrne Polantin. A. 1668. ist er nach Ohrdruff kommen, als Informator beym Herrn Superintendenten Mose, hat sich von dar wieder weg, und in andere Conditiones begeben. Inzwischen hat man ihn auf diese Art in Ohrdruff kennen lernen. A. 1671. den 31ten Oct. hat er sich mit Jungfer Anna Dorothea, Herrn Johann Mose, weyland Superintendenten zu Ohrdruff, Tochter verheyrathet. A. 1681. den 31ten Oct. hat er sich zum andernmal mit Jungfer Sophia Elisabetha, Herrn Johann Michael Fiedlers, Pfarrers zu Apfelstett, Tochter verehliget. A. 1694. den 15ten Oct. früh um 9 Uhr ist er, nachdem er in die 24 Jahr hier Pfarrer gewesen, im HErrn seelig verstorben. Das Begräbnis hat die Gemeinde besorgt, und die Unkosten dabey getragen. Seiner Kinder bemerkte 13 an der Zahl, davon der 1ste Johann Jacob 1674 gebohren den 26sten Jun., so nach der Zeit Doctor und Professor Theologiæ zu Jena worden. Viele derselben sind jung wieder verstorben, wie verschiedene Leichen⸗Steine ausweisen. Das Bildnis dieses Herrn Syrbii ist in Stein gehauen, und steht auf dem kleinen Gottes⸗Acker an der Kirche zwischen der Treppe und dem Pfeiler. Ich weiß nicht, wo ich gelesen, daß er A. 1692. einen leiblich Besessenen mit vielen Gebet erlöset habe, will es also als ungewiß hier angemercket haben. Unter ihm ist A. 1681. der Kirch⸗Erneuerungs⸗Bau allhier geführet worden, welchen er weitläufig beschrieben, und, nach dessen Vollendung, eine erbauliche Predigt gehalten, so beydes gedruckt sub titulo: Renovalia Wechmariensia. Danck⸗ und Gedächtnis⸗Predigt von dem Jahr 1681. in der christlichen und ansehnlichen Gemeinde Wechmar geführten Kirch⸗Erneuerungs⸗Bau am Tage der Kirchweyh gehalten, aus Reg. XII. v. 4 – 16. von M. Johann Heinrich Syrbius, Pfarr daselbst.
  7. Simon Roth. Er war vorher Pfarrer zu Thörey und Rehstett und ist von dem Herrn Grafen, Wolfgang Julius, Kayserlichen General⸗Feld⸗Marschall, durch das Consistorium zu Ohrdruff, nach gehaltener Prob⸗Predigt Dom. I. p. Epiphan. 1695., zum hiesigen Pastorat vociret, und Dominica Cantate vom Herrn Superintendent M. Melchior Kromayer investiret worden. Er war gebohren zu Ohrdruff, den 17ten Nov. Sein Vater war Michael Roth, Bürger und Schlosser daselbst, die Mutter hieß Catharina N. A. 1687. hat ihm das Hochfürstl. Ober⸗Consistorium zu Gotha nach Thörey vociret, woselbsten er bis A. 1695 blieben. A. 1712. den 27ten Jan. Nachts zwischen 11 und 12 Uhr ist er schier plötzlich an einem Schlag⸗Fluß im HErrn seelig verschieden, und den 31sten ejusd. beerdiget worden, seines Alters 58 Jahre. Die Leichen⸗Predigt hat Herr Superintendent, Johann Abraham Kromayer, gehalten, über Jerem. XVII. v. 16.17. Von seinen Kindern sind angemerckt: 1) Johann Andreas zu Thörey geb. und hier † ætat. 2 Jahr. 2) Johann Abraham, geb. den 17ten Jan. 1696. † den 5ten Febr. ejusd. anni. 3) Sophia Gertrud, geb. den 7ten Febr. 1697. 4) Johann Wilhelm, geb. den 10ten Dec. 1699. † als Pastor der Trinitatis⸗Kirche zu Ohrdruff A. 1744. 5) Johanna Rebecca und 6) Johann Heinrich, Zwillinge, geb. den 5ten April 1702. 7) Dorothea und 8) Johanna Juliana, Zwillinge, geb. den 15ten Nov. 1704. 9) Eleonora † und Johanna Juliana, Zwillinge, geb. den 14ten April 1707. Sein Bildnis ist in Lebens⸗Größe in hiesiger Kirche über der Sacristey⸗Thür aufgestellet, und muß er eine überaus ansehnliche und schöne Person präsentiret haben. A. 1712. bis 1714. ist eine Vacanz hier gewesen, weil man sich, wegen Bestellung der Pfarrey nicht vergleichen können. Einige haben wollen 2 Pfarrer hieher haben, die Gemeinde aber hat darwider protestiret, und Recht behalten. Ad interim hat den Dienst versehen Hr. Johann Simon Haack, der den Namen des Diaconi geführet. Nachdem aber 1714. solche durch Hrn. Pfarrer Conradi von Pfertingsleben wieder ordentlich besetzet worden, so ist Hr. Haack an diese Stelle nach Pfertingsleben kommen.
  8. Johann Georg Conradi, ist, wie obgedacht 1714. mens. Nov. als Pastor allhier von Pfertingsleben eingezogen. Er ist gebohren zu Marckbreit am Mayn; ohnweit Würtzburg, A. 1672. den 8ten Febr. Sein Vater war Mstr. Georg Conradi, Bürger und Glaser daselbst, die Mutter hieß Maria Salome, eine gebohrene Graußin von Hochfeld. A. 1693. kam er als Informator zu Hrn. Pastor Klipphan nach Willhermsdorff, allwo er den damals regierenden Grafen, Hrn. Wolfgang Julius, Kayserl. General⸗Feld⸗Marschall bekannt wurde. A. 1694. wurde er von hochgedachten Herrn Grafen nach Pfertingsleben als Pastor befördert, allwo er 20 Jahr gestanden. In dem letzten Jahre, so er daselbst gewesen, hatte er das Unglück, daß er gäntzlich abbrannte, und alle das Seine verlohr, so, daß er den Mantel, um Kirche zu halten, bey einem seyner Hrn. Nachbarn borgen mußte. A. 1714. mens. Nov. trat er nach 2 jährigen Aufenthalt und Zwistigkeiten, da man vorhatte das Pastorat zu theilen, wozu er doch vorher ohne Einschränckung die Vocation erhalten, sein Amt in Wegmar an, und hat es bis 1755. den 2ten Nov. da er Abends 7 Uhr, nach 14 tägiger Kranckheit, unter christlicher Zubereitung, in seinem Erlöser Christo JEsu seelig entschlaffen, mit grosser Zufriedenheit seiner Zuhörer, nicht ohne besondern Ruhm geführet. Er hat in einer 3fachen Ehe gelebet, als 1) mit Jfr. Maria Margaretha, Hrn. Christian Heinrich Wilhelm von Dünckelspiel, eines Hauptmanns, Tochter, aus welcher Ehe er mit 3 Töchtern geseegnet worden, welche Ehegattin 1694. verstorben. 2) Verehelichte er sich 1700. mit Jfr. Magdalena Elisabetha, Hrn. Registratoris, Johann Immanuel Lämmlers, ältesten Tochter, daraus er 2 Söhne und eine Tochter erzeuget und sie ist 1705. im Kindbette verstorben. 3) Ließ er sich mit Jfr. Anna Dorothea, Johann Matthäi Krumholtzens, Kirchen⸗Inspectoris zu Pfertingsleben, Tochter, trauen. A. 1745. feyerte er allhier sein Jubilæum sacerdotale, nicht ohne sonderliche Bewegung der gantzen Gemeinde. Er versammlete alle seine Kinder, so theils hie und da in ansehnlichen Aemtern stunden, und ergetzte sich mit ihnen bey einem Gastmahl, ließ unter die Schul⸗Kinder Geld austheilen, und solennisirte diesen merckwürdigen Tag auf das beste. Seine Kinder ließen darauf ein Carmen verfertigen, so mir aber nie zu Gesichte gekommen. Herr Colerus gedencket dessen auch in actis Vinariensibus, da er derer Jubel⸗Priester Meldung thut. Dieses Jubilæum hat er auch mit 10 Jahren überlebet, und also in die 60 Jahre die Ehre gehabt, ein treuer Knecht JEsu zu heissen und zu seyn. Sein Amt hat er annoch in seinen muntern Jahren mit grosser Treue und Klugheit, unter GOttes Gnade, verwaltet, und wuste er sich durch sein liebreiches Betragen und freundlichen Umgang in manches Hertz einen Eingang zu verschaffen, dem auf eine andere Weise nicht würde beyzukommen gewesen seyn. Seine letzten 10 Jahre, darinne er sein Amt nicht mehr nach Wunsch, und mit voriger Lebhaftigkeit versehen konnte, waren ein beständiges Gebet, und gegen die, mit denen er umgehen mußte, lauter treue Wünsche, davon man jedoch, besonders in den letzten 6 Jahren, wenig verstehen konnte. In seinen letzten Jahren und sehr hohen Alter wollte ihm das Vermögen laut zu sprechen, nebst der Gedächtnis⸗Kraft, in etwas verlassen, darauf er selbst darauf bedacht war, daß das Amt durch einen andern hinlänglich möge verwaltet werden, und wurde ich also 1749. mens. Dec. als Pastor Substitutus ihme adjungiret. Und da seine Kräfte jemehr und mehr abnahmen, so begab er sich bald, nach meiner Ankunft, gäntzlich zur Ruhe, und überließ mir die Amts⸗Verwaltung alleine.
  9. Johann Carl Meyer. Ich bin, so schreibet er von sich selbst, gebohren den 16ten May 1714. zu Ohrdruff. Mein Vater war Georg Heinrich Meyer, Hochgräfl. Hohenlohischer Cantzley⸗ und Consistorial-Secretarius, aus Waldenburg im Hohenlohischen gebürtig. Die Mutter Eva Elisabeth, Johann Heinrich Böttigers, Bürgermeisters zu Ohrdruff, Tochter. Ich habe in Ohrdruff die Schule frequentiret, und von 1733. bis 1736. in Jena studiret. Nach geendigten academischen Jahren habe mich bis 1742. in verschiedenen Conditionen befunden, bis es im gedachten Jahr mir gantz unvermuthet geschahe, daß ich vom Hrn. Hof⸗Prediger Wolff in Kirchberg sondiret wurde, ob ich das Amt eines Vicarius zu Minckheim, einem Dorff ohnweit Schwäbisch⸗Halle gelegen, bey einem alten Prediger, Namens Johann Christian Baumann, übernehmen wollte. Da ich nun hierbey ein gantz handgreifliches Denckmahl göttlicher Providenz wahrnahm, so acceptirte solchen Ruf, und ging im Julio 1742. nach Minckheim ab, wurde in Kirchberg und Schwäbisch⸗Halle, weil beyde in die Pfarr zu sagen harten, examiniret, und bekam die Erlaubnis daselbst zu vicariren. Jedoch konnte ich nicht dazu gelangen, daß ich wäre ordiniret worden, weil das Hauß Kirchberg mit der Reichs⸗Stadt Schwäbisch⸗Halle, auf deren Grund und Boden die Kirche lag, einige Zwistigkeiten wegen Besetzung dieses Vicariats⸗Amtes hatte, darunter ich, weil ich ein Hohenlohischer Unterthan war, leiden mußte. Hier hielte ich mich gegen 1 und ½ Jahr auf, und übte mich sowohl in Predigen und Krancken besuchen, als auch besonders in Catechisiren, weil, statt der Nachmittags⸗Predigt, an diesem Orte allzeit Catechismus-Examen gehalten wird. A. 1743. mens. Aug. erhielte ich in Minckheim gantz ohnvermuthet eine Vocation wieder in mein Vaterland, und zwar als Substitutus des Diaconi emeriti Webers an der St. Trinitatis Kirche zu Ohrdruff, da ich den 6ten Nov. 1743. zu Ohrdruff wieder ankam, ward Domin. I. Advent in der St. Michaelis Kirche vom Herrn Superintendenten Augustin Gottfried Kromayern ordiniret, und hielte Dominica II. meine Anzugs⸗Predigt. Es dauerte aber meine Substitution bey dem Diaconat zu St. Trinitatis nicht lang. Denn, nach Verfliessung eines halben Jahres, starb der Diaconus Weber, und ich bekam 1744. die Vocation zum würcklichen Diaconat, und ward Dominica XII. post Trinit. investiret. A. 1745. den 19ten Jan. habe mich verheyrathet mit der damahligen Jungfer Johanna Christiana Schanertin, Herrn Johann Andreas Schanerts, gewesenen Fürstl. Sächsischen Hof⸗Advocati und Bürgermeisters zu Ohrdruff eintzigen Tochter. A. 1749. mens. Nov. erhielt ich, wie oben gedacht, meine Vocation als Pastor Substitutus hieher nach Wegmar, that Do. III. Adv. meine Prob⸗Predigt, Dom. IV. Advent. meine Abschieds⸗Predigt zu Ohrdruff, und Die primo Nativ Christi meine Anzugs⸗Predigt in Wegmar. Nachdem nun 1755. den 2ten Dec. Herr Pastor Conradi im Herrn seelig entschlaffen, so erhielt 1756. mens. April die Vocation zum würcklichen Pastorat allhier und ward Dom Misericord. Domini von Herrn Superintendenten Kromayer und Herrn Hofrath Purgold investiret, da an eben diesem Sonntag Nachmittag über das Evangelium Apostol Phil & Jacobi meine Investitur- und Anzugs⸗Predigt unter GOttes Gnade hielte. GOtt erbaue seine Gemeinde führohin um Christi Willen.

[Quelle: Brückner, Johann Georg: „Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibung des Kirchen- und Schulenstaates im Herzogthum Gotha“, Gotha, in Commission bey Christian Mevius, 1758]

Ihnen folgten:

16. Johann Friedrich Meyer, Pfarrer 1781-1806

17. Christian Friedrich Kerst, Pfarrer 1806-1822

Friedrich Ernst August Kerst, Substitut 1819-1823

18. Friedrich Ernst August Kerst, Pfarrer 1823-1863

Wilhelm Werner Theodor Stetefeldt, Vikar 1863

19. Christian Ludwig Koch, Pfarrer 1863-1874

20. Ernst Hermann Kerst, Pfarrer 1875-1890

21. Victor Max Hugo Thielemann, Pfarrer 1890-1892

22. Ernst Hugo Lachmann, Pfarrer 1892-1914

23. Heinrich Wilhelm Schmeelk, Pfarrer 1914-1929

[Quelle: Möller, Bernhard: „Thüringer Pfarrerbuch, Band 1: Herzogtum Gotha“, Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch, 1995]


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