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Ohrdrufer Quellen im Hohenlohe-Zentralarchiv

Die Wege des Herrn sind unergründlich…

Nein, es geht hier nicht wirklich um Bibelsprüche. Manche Prinzipien könnte man jedoch als Erfindung von höherer Natur empfinden und die Sinnhaftigkeit erschliesst sich erst bei näherer Betrachtung des Problems.

Die von Hohenlohe im Herzogtum Gotha

Bei meinem Versuch, die Genealogien der Schuldiener im Herzogtum Gotha zusammenzutragen bin ich auf das „Hohenlohe Zentralarchiv“ in Neuenstein gestossen. Das die Herren von Hohenlohe einiges mit dem Gothaer Land zu tun hatten, war mir schon bekannt. Letzter Vertreter der Familie war dort Ernst II. von Hohenlohe-Langenburg, der 1900-1905 bis zur Volljährigkeit von Herzog Carl Eduard die Regentschaft im Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha übernahm. Alten Familiengeschichten zufolge ging mein Ururgroßvater Friedrich Ernst Henneberg (Anspänner und Schultheiss in Seebergen) sogar mit dem Regenten auf die Jagd. Mit dem Nachfolger Carl Eduard jedoch nicht mehr, denn er sprach kein Wort Englisch…

Was aber machen Archivalien, die Ohrdruf, Wechmar oder Pferdingsleben betreffen dann im Süden Deutschlands? Hier schlägt uns wieder das Provenienzprinzip der Archive ein Schnippchen. Um den Zusammenhang zu verstehen, ist ein wenig regionalhistorisches Wissen nötig.

Die Grafen von Gleichen

Angefangen hat alles bei den Grafen von Gleichen, deren Gebiete in Zentralthüringen nach ihrem Aussterben u.a.  den verwandten Herren von Hohenlohe-Langenburg und Hohenlohe-Neuenstein zufiel. Diese wurden von nun von den Ernestinern mit der Obergrafschaft Gleichen belehnt, während die Untergrafschaft als Lehen an die Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen ging. Die Obergrafschaft bestand im Wesentlichen aus der Stadt Ohrdruf, sowie den Dörfern Wechmar, Schwabhausen, Emleben, Pferdingsleben, Petriroda und der Exklave Werningshausen.

So gab es sich, dass sich im Umkreis von 10km rund um den Großen Seeberg gleich mehrere Grafen-, Fürsten- und Herzogenhäuser die Herrschaft über ein paar wenige Dörfer aufteilten. Neben den von Hohenlohe gab es noch das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (Seebergen), das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (Günthersleben) sowie die kurmainzischen Exklaven Mühlberg und Wandersleben. Die Herrschaften wurden in den Dörfern dann noch weiter belehnt, so dass sich die untere Gerichtsbarkeit in den Händen von Familien niederen Adels befand.

Wollte man von einem Dorf in das andere, musste man das Herrschaftsgebiet wechseln und entsprechenden Wegezoll zahlen. In heutigen Zeiten ist das wohl kaum noch vorstellbar. Was die herrschaftlichen Archivalien aus jener Zeit anbetrifft, so sind diese eben auch nach dem schon genannten Provenienzprinzip über verschiedenste Archive verteilt.

Viele weitere Informationen zu den Beständen der Obergrafschaft Gleichen gibt es auf der Seite des Landesarchivs Baden-Württemberg.

 


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