News

KSS II-01-03 Pfarrer in Cobstädt

§. 3. Von den Pfarrern bey selbiger Kirche

Man hat soviel Nachricht, daß nachstehende, nach der Reformation Lutheri, sind Pfarrer in Cobstedt gewesen:

  1. M. Andreas Wiegand. Ich finde ihn in dem Visitations-Protocoll vom Jahr 1545. Im Visitations-Protocoll vom Jahre 1546. stehet: Die Gemeine zu Kobstedt habe dem Pfarrer 1 Claffter Holtz, und die Gemeine zu Grabsleben eben so viel, vor die gewesene Pfarr⸗Rechte zugeleget.
  2. M. Wachtel.
  3. M. Calenberg. Er bate A. 1613, wegen seines hohen Alters, bey dem Consistorio zu Weimar um einen Substituten, und bekam noch im selbigen Jahre
  4. M. Johann Marggraf. Nach beschehener Praesentation desselben in der Kirche zu Cobstedt und Grabsleben, auch erhaltenen Votis von beyden Gemeinden, wurde vom Hertzog Casimir zu Coburg befohlen, weil Grabsleben in seinem Territorio gelegen und wegen Setzung des Substituti von Weimar aus mit ihm nicht communiciret worden, die Grabsleber dem Substituto die Kirche nicht öffnen sollten. Dieses ist auch erfolget, und der Gottesdienst in selbiger Kirche von den Pfarrern zu Rettbach und Tüttleben verrichtet worden. Endlich schrieb man den 8. Jun. 1614. von Weimar dißfalls an den Amts⸗Verweser zu Gotha, versicherte, daß die Communication aus Versehen unterlassen worden und welches nicht zu Beeinträchtigung der Jurium Hertzog Johann Casimirs geschehen sey und baten, um Oeffnung der Kirche zu Grabsleben vor den Substituten. Als nun der Amts⸗Verweser zu Gotha solches nach Coburg berichtet, so ist dem Begehren gefüget worden. A. 1616. XXVI. p. Trinit. geschahe dessen Introduction in der Kirche zu Cobstedt, wohin die Grabsleber sich begaben, und waren dabey gegenwärtig der Superint. D. Grauer von Weimar, der Amtmann zu Georgenthal, der Amts⸗Verweser, Lic. Johann Heinrich Kohlhans, zu Gotha, und etliche benachbarte Pfarrer. Die Unkosten trugen die Grabsleber, auf Bewilligung des Gothaischen Beamten, zur Helffte. Vide Protoc. Superint. Helderi f. 216. 486. Von diesem M. Marggraf ist dieses, als etwas merckwürdiges, noch anzuführen, daß er zur Pest⸗Zeit A. 1637. allhier gelebet, und als er einstmals hinter den Garten mit zwey Kindern sich umgesehen, er alsbald mit diesen seinen Kindern von der Luft inficiret worden und mit beyden seinen Geist aufgegeben hat. Ihm ist im Amte gefolget
  5. M. Philipp Jacob Bügler, aber auch, laut Consist. Acta die Pfarr⸗Bestellung im Amte Georgenthal betreffend, A. 1639 bereits wieder verstorben. Nach ihm ist
  6. Johannes Gvalter, oder Walther, ein Vetter Hrn. M. Walthers, Superint. zu Gotha, und bisheriger Schulmeister zu Cobstedt, Pfarrer worden, und als ihm im Alter das Gedächtnis und andere Gemüths⸗Kräfte ablegten, wurde ihm ein Studiosus von Ingersleben, Christoph Heinrich Wächter, als Coadjutor verordnet, aber nicht ordiniret, welches geschahe 1670. Senior starb den 28. Febr. 1671. Die Gemeine gabe dem Studioso ein ggutes Zeugnis und baten um denselben zu ihren Pfarrer. Sie erhielten aber solchen nicht, sondern er wurde Pfarrer zu Trügleben, und der Trügleber kam hieher.
  7. Anhard Löffler, [1] welcher zu Mühlberg gebohren 28. Oct. 1634. und war sein Vater, Conrad Löffler, und seine Mutter Anna Scheibin, Inwohner daselbst . Auf Anrathen des damaligen Pfarrers und Adjuncti zu Mühlberg, nachmaligen General-Superint. zu Gotha, Hrn. Joh. Chr. Gotters, widmeten ihn seine Eltern den Studiis und liessen ihn hierzu in den Schulen zu Mühlberg und Gotha, und dann auf der Universität Jena anweisen. A. 1664. wurde er Schulmeister zu Roda, und dann A. 1666. als Pfarr-Substitutus zu Trügleben, und 1671. als Pfarrer zu Cobstedt präsentirt. Er heyrathete Johann Modestini Dufftens, Kornschreibers zu Langensaltza und Inwohners zu Merxleben, Tochter, Jungfer Barbara Elisabetha, und zeugte mit ihr 7 Kinder, unter welchen Johann Anhard, als Diaconus zu Zella St. Blasii, verstorben, nachdem ihm der Schlag auf der Cantzel betroffen hatte. Sein Vater hatte gleiches Schicksal, indem er, da er am 19. Febr. 1689. die Circular⸗Predigt auf Friedenstein halten sollen, gantz mühselig den Schloß⸗Berg hinauf gestiegen und bis in das Kirchen⸗Gemach, massen in der Kirche damals gebauet worden, voll Müdigkeit kommen und gesaget: Ach, nun bin ich herauf, GOtt weiß, wie ich hinunter kommen werde; und, da er das Wort kaum ausgeredet, tod, und ohne daß ihm durch Anstreichung des herbeygebrachten Schlag⸗Balsams einiges Merckmal des Lebens hat angewonnen werden können, zur Erden nieder gesuncken, und noch selbigen Abend nach Cobstedt geführet und daselbst, mit Haltung einer Leich⸗Predigt, welche gedruckt, begraben worden ist.
  8. Samuel Bufleb, bisheriger Sub-Conrector bey dem Gymnasio zu Gotha, wurde, nach Herr Löfflers Tod, am XII. p. Tr. 1689 als Pfarrer zu Cobstedt präsentiret und dießfalls an Herrn General-Superintendent und den Beamten zu Gotha, wegen Grabsleben, an den Herrn Superint. zu Waltershausen und Amtmann zu Georgenthal aber wegen Cobstedt, das nöthige rescribiret. Er starb daselbst frühzeitig im 34sten Jahr seines Alters, am 21. Aug. 1691, mit Hinterlassung einer Wittbe und etlichen Kindern. vid. Matricul. Superint. Waltershus. f. 112. Sein Nachfolger im Amte war
  9. Johann Georg Pfefferkorn, gebohren zu Creutzburg 1660. studierte zu Jena und Leipzig, und wurde daselbst, nachdem er vorhero Rector und Diaconus zu Tonna gewesen, am II. p. Epiph. 1692 zu dem Pfarr-Amte zu Cobstedt und Grabsleben präsentiret und viciret. Es scheinet aber aus den Consistorial-Actis, daß er seiner Amts⸗Schuldigkeit nicht in allwege mochte nachgekommen seyn, weßwegen auch im Dec. A. 1697 die Suspension über ihn verhängt und das Amt von dem Feld⸗Prediger Thömlich einstweilen versehen wurde. Am 25. Jan. 1698. wurde er zwar, auf sein Ansuchen, in das Amt wieder eingesetzet, mußte aber 12 Rthl. in den Fiscum vidualem und die Unkosten bezahlen. Er starb endlich, nach guter Vorbereitung auf seinem Krancken⸗Bette, am 20. April 1707. Matric Waltershus. f. 112 Consist. Acta A Georgenth. N. 26. 34. Nach dessen Ableben wurde
  10. Herr Andreas Buffleb, gebürtig von Gotha, bißheriger Feld⸗Prediger, zum Cobstedter und Grabsleber Pfarr⸗Amt beruffen. A. 1707. und starb 1730. 5. Nov. Währender Vacanz vicarirten die Hn. Pfarrer zu Groß⸗Rettbach, Seebergen und Pfertingsleben und musten die Gemeinden, deren Abholung und Fortbringung besorgen. Successor wollte, währendem Gnadenhalbjahr, seine Meubles ins Pfarrhaus thun, es wurde aber der Gemeinde den 10. Febr. befohlen, die Wittbe dißfalls weiter nicht zu beunruhigen. C. A. A. G. n. 34. 46. Es war aber sein Successor
  11. Herr Joh. Ernst Wenigk, ein Gothaner, er gelangte im 24sten Jahr seines Alters A. 1725. zur Substitution zu Exdorff im Themarischen, und wurde nach 6 Jahren, als Pfarrer zu Cobstedt und Grabsleben, Dom. Sexages. 1731. präsentiert, und dißfalls vom F. O. Consistorio zu Gotha an Hr. Gen. Superint. Huhn und dasiges Amt, wegen Grabsleben, an den Superint. zu Waltershausen und Amtmann zu Georgenthal, wegen Cobstedt rescribiret. Er heyrathete Hr. Kunst⸗Cämmierers Schilbachs zu Gotha Tochter, und zeugte mit ihr verschiedene Söhne und Töchter, von welchen letztern eine an den Pfarrer zu Wahlwinckel, Hrn. Rosten, verheyrathet ist. A. 1734. wurde er zum Pfarr⸗Amt nach Bischleben beruffen. Bey seinem Abzug entstunde Streit, wegen Fertigung des Pfarr⸗Vergleichs zwischen dem Amte Gotha und Georgenthal, indem dieses die Grabsleber nach Cobstedt hierzu citiret, das Amt Gotha aber deren Erscheinung verboten, und mit dem Adjuncto Erdmann, G. U. Gerichts wegen, einen besonderen Vergleich wegen Grabsleben gemacht hatte. Nach vielem Brieffwechsel wurde der Handel vom F. O. C. dahin entschieden: daß es zwar vor dißmahl, jedoch ohne Consequenz, bey dem errichteten Pfarr⸗Vergleich ratione matris et filiae sein Verbleiben behalten sollte, in Zukunft aber nur ein Vergleich gefertiget, darüber von beyden geistl. Untergerichten, zu Erspahrung der Kostenschrifftliche Communication gepflogen, und solcher sodann conjunctim unterschrieben werden, bey praesentationen und investituren aber beyde geistl. Unter⸗Gerichte in matre zusammen kommen, und filia, bey der Errichtung der Pfarr⸗Vergleiche den 4ten Pfennig tragen sollte. C.A. Georgenth. Betr. N. 34. 38. 42. Die Sache kam nachhero wieder in motum und wurde durch einen Ober⸗Consistorial-Bescheid am 9. Nov. 1738. entschieden, l.c. Hr. Pfarrer Wenig wurde 1734. nach Bischleben translocirt und starb daselbst am 15. Febr 1745 mit Hinterlassung einer armen Wittbe und 7 Kindern.
  12. Herr Johann Heinrich Lange, aus dem Gothaischen Flecken Herbstleben gebürtig, wurde Anfangs Pfarrer zu Bienstedt, im Amte Tonna, am 2. p. Epiph. 1721. dann, wegen entstanndener Feuersbrunst in der Pfarr⸗Scheure, so durch Verwahrlosung jemanden der Seinigen verursachet seyn sollte, auf vielfältiges Anhalten der Bienstedter Gemeinde, A. 1734. nach Cobstedt, und 1738. nach Döllstedt translociret, und starb daselbst den 28. Apr. 1745. Er heyrathete Jungfer Dorothea Elisabetha Kunckelin, und zeugte mit ihr einen Sohn und eine Tochter. A. A. Tonna betr. n. 33. 39. 51. it. C. A. A. G. n. 38.
  13. Herr Jacob Siegmund Hartung, wurde nach Herrn Langens Translocation Pfarrer zu Cobstedt 1738, dann 1743. zu Burgtonna, und endlich 1751. Pfarrer und Adjunctus zu Molschleben. Ein mehreres von ihm wird vorkommen unter den Pfarrern zu Molschleben. Ihm folgte
  14. Herr Joh. Ludw. Wedel, Sein Vater war Hr. Georg Wedel, Cantor zu Zella St. Blasii, und die Mutter Frau Margar. Elis. Rauschin, Hrn. Joh. Caspar Rauschens, Med. D. Goth. Tochter, welche ihn am 23. Jun. 1697 zur Welt gebohren hat. Nach zurückgelegten Studiis zu Gotha und Jena, auch gehabter Information einiger junger Leute in Gotha, wurde er am I. p. Trinit. 1736. als Pfarrer zu Groß⸗Rettbach vorgestellet, er heyrathete im selbigen Jahr Jgfr. Sophia Dorothea, des gewesenen Pfarrers in Hörselgau, Hrn. M. Joh. Jos. Thilo, jüngste Tochter, nach deren Ableben aber Jgfr. Dorothea Elis. Früauffin, des Thielen⸗Inspectoris zu Georgenthal, Hrn. Joh. Christian Früaufs einzige Tochter, welche ihm 2 Kinder gebohren hat. A. 1744. Dom. I. p. Epiph. wurde er als Pfarrer zu Cobstädt praesentiret, und starb daselbst am 25. Martii selbigen Jahres seelig. Matric. Molschleb. it C. A. A. Gotha betr. n. 75. it. C. A. A. Georgenth. betr. n. 54. Sein Nachfolger im Amte war
  15. Johann Adam Christian Weyda, ein Sohn Johann Caspar Weyda, Schuldieners zu Georgenthal, studierte zu Gotha und Jena wurde Cantor beym Waisenhause zu Friedrichswerth und 1744. Pfarrer zu Cobstedt und Grabsleben , entschlief aber auch bald, nemlich am 31. Jan. A. 1747. im 46. Jahr seines Alters, mit Hinterlassung einer sehr armen Wittbe und verschiedenen Kindern. C. A. A. Georgenth. n. 55. Der gegenwärtige ihm succedirende Pfarrer ist
  16. Johann Friedrich Meister[2], von Friemar bey Gotha gebürtig, wurde A. 1741. Pfarr⸗Substitut zu Wiegleben, A. 1747. Pfarrer zu Cobstedt. Er heyrathete des Pfarrers zu Wiegleben, Hrn. Georg Bernhard Röhns, älteste Tochter A. 1741., zeugte mit ihr 5 Kinder, nemlich Julianen Elisabethen, Johannam Antonettam Dorotheam, welche aber in ihrer zarten Kindheit in die selige Ewigkeit versetzt worden, Johann Wilhelm, Siegmund Christian Friedrich und Johann Friedrich, welche noch, so lange es göttliche Vorsehung gefällt, am Leben sind.

[1] In einem geschriebenen Verzeichnis der Pfarrer zu Kaltenwestheim stehet: Joh. Wolffg. Löffler, in Oesterreich zum Stein bey Steyer 1620. 21. Febr. gebohren. Mein Vater, Sebastian Löffler, bürtig von Schmalkalden, war 10 jähriger Pfarrer in Oesterreich, und die Mutter, Joh. Breyens, Superint. zu Steyer, Tochter. Als die Eltern 1627. von denen Papisten vertrieben wurden, begab er sich nach Gotha ins Gymnasium und dann nach Jena und Königsberg. A. 1653. wurde er ins Predigt⸗Amt nach Schmalkalden und 1657. nach Kaltenwestheim und Reichenhaussen vociret. Er hatte 4 Söhne, davon 3 Pastores worden, der eine aber Jura studiret hat. Joh. Siegm. Löffler, zu Kalten⸗Nordheim den 18. Jul. 1659. gebohren, wurde ihm im Pfarr⸗Amte zu Kaltenwestheim beygesetzet A. 1689. Ob Herr Joh. Christian Löffler, Pfarrer zu Fischbach, dessen Sohn, Herr Sam. Christ. Löffler, ihm substituiret worden und jetzo Pfarrer zu Mehlborn, im Eisenachischen, auch von obigen abstammet, kan ich so wenig sagen, als ob diese Löfflers, mit den obigen Anhard befreundet seyn.

[2] Er hat zu diesem Auffsatz ein merckliches beygetragen.

Auszug aus Brückner, Johann Georg: „Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibungen des Kirchen- und Schulenstaats im Hertzogthum Gotha“, I. Theil, Erstes Stück, Gotha, in Commißion bey Christian Mevius, 1758,


Eine Antwort hinterlassen