News

KSS II-04-02 Schuldiener in Georgenthal

II. Von dem ehemaligen im Gothaischen gelegenen Cistercienser=Closter St. Georgenthal und der jetzigen Kirche und Schule daselbst.

§. 6. Von der Schule daselbst und deren Dienern

Obgleich Georgenthal von Alters her ein Filial von Gräfenhayn gewesen, so hat es doch vor langer Zeit eine besondere Schule gehabt. Von Schuldienern aber habe sonst keine, als nachstehende, vorfinden können:

  1. Johann Hopff. Er war gebohren zu Friedrichroda 1601., allwo sein Vater, Clauß Hopff, Bürger und Böttger und von der Gemeine war, und seine Mutter hieß Eva Schneegaßin, des dasigen Pfarrers und Adjuncti, Hrn. Cyriax Schneegaß, Tochter. Er heyrathete 1629. J. Margaretha, Hieronymi Seebachs in Friedrichroda Tochter, und zeugte mit ihr 9 Kinder. A. 1633. wurde er Schulmeister zu Georgenthal. Weil aber die Kriegs⸗Durchzüge so häuffig waren, so hat er sich 1638. nach Ernstroda begeben und 7 Jahr als Schuldiener allda gebrauchen lassen. A. 1644. hat er den neuen Schuldienst zu Rödichen angetreten, allwo er 1662. verstorben ist. vid. Matric. Waltersh. f. 33.
  2. Jacob Bonsack. Er war, laut Visitations-Acten, A. 1647. Schulmeister zu Georgenthal.
  3. Tobias Meister. Er kam vom Schuldienst zu Wipperoda hieher A. 1655., wurde aber gar bald wieder seines Dienstes verlustig. Mehrere Umstände stehen von ihm unter den Schuldienern zu Wipperoda, P. I. dieser Samml. VII. St. p. 61.
  4. Stephan Wöllner. Weil man eine Orgel in der Georgenthäler Kirche angeschafft und er selbige nicht spielen können; so ist er 1674. nach Brüheim translociret worden.
  5. Laurentius Ebenretter. Er kam 1674. hieher, 1676. nach Hohenkirchen, und wurde 1684. nach Gierstedt versetzt, allwo er verstorben. P. I. dieser Samml. X. St. p. 64. stehet mehreres von ihm.
  6. Johann Heinrich Oschatz, Er war zu Berckau an der Ilm gebohren, allwo sein Vater, Carl Andreas, Schuldiener war, und seine Mutter hieß Regina Hecker Nach seines Vaters Tod ist er aufs Gymnasium nach Gotha gekommen, und nachdem er 5 Jahre daselbst frequentiret, hat er wegen Mangel des Unterhalts, sich bey Hrn. Christian von Meusebach, auf Braunsdorff, in Dienst begeben, und ihm in der Schreiberey und Haushaltung aufgewartet. A. 1670. hat er sich mit J. Anna Maria, Joh. Joachim Hofmanns, Bürgers in Grätz, Tochter, verehliget; ist sodann 1672 Schuldiener in Fischbach worden, und 1676. zum hiesigen Schuldienst in Georgenthal gelanget. Matric. Waltersh. Ihm folgte hieselbst
  7. Johann Caspar Weyda, von Schwabhaussen gebürtig, dessen Vater nachhero Schulmeister in Eschenberga worden. Er kam Anfangs in Schuldienst zu Menteroda, 1689. zu Georgenthal und 1711. zu Hohenkirchen. P. I. dieser Samml. VI. St. p. 42.
  8. Johann Heinrich Fuchs. Er war den 11. Mart. 1679. zu Altenberga gebohren, sein Vater hieß N. Fuchs, Inwohner und Köhler daselbst. Er erlernete nachmals benebst dem Catechismo die Music, wie auch Rechnen und Schreiben, und liesse sich hernach verschiedene Jahre bey den Hrn. Amts⸗Voigt Thielemann zu Georgenthal in der Schreiberey gebrauchen, dabey er sonderlich die Inspection über die Herrschafftl. Schneide⸗Mühle hatte. A. 1702. wurde er zum Schul⸗Amt nach Engelsbach berufen, darauf er sich mit Jungf. Anna Maria, Johann Kühns, Schultheiß und Hammergewercks zu Catterfeld eheleiblichen Tochter, verehlichte und dieses Jahr den 21. Junii in der Johannis⸗Kirche bey Altenberga sich copuliren liesse. In dieser Ehe sind 7 Kinder erzeuget worden, wovon sich noch 3 Töchter am Leben befinden. A. 1711. wurde er von Engelsbach nach Georgenthal translociret, und nachdem er allda 31 Jahre das Schul⸗Amt verwaltet, gieng er den 1. Sept. 1740. aus der Zeit in die Ewigkeit, im 62 Jahr seines Alters.
  9. Georg Nicolaus Ortlepp, ich bin, meldet er selbst, gebohren zu Catterfeld A. 1717. den 24. Aug. Mein Vater ist gewesen Johann Nicolaus Ortlepp, Hammergewerck daselbst, meine Mutter aber Anna Catharine geb. Beck Bey ansteigenden Jahren wurde ich fleißig zur Schule geschicket, und, neben den Stücken des Christenthums, zur Music angehalten, auch einige Jahre in Latinitate unterrichtet. A. 1732. that mich aber mein Vater nach Gotha, um sowohl in der Music, als auch im Rechnen und Schreiben mich habiler zu machen. Hierbey war ich so glücklich, daß ich sonderlich von dem damaligen Land⸗Inspectore, Hrn. Joh. Valentin Beumelburg, selbsten in den Christenthum und andern Wissenschafften ferner unterwiesen wurde. Durch Recommendation kam ich von da A. 1735. zu dem Hrn. geh. Rath und Ober⸗Consistorial⸗Præsident von Witzleben in Diensten. A. 1740. den 6. Sept. wurde ich von E. Hochlöbl. Ober⸗Consistorio zum Friedenstein zum Schul⸗Amt nach Georgenthal berufen, worauf ich auch Michaelis demselben Jahres meine Probe abgeleget und mein Amt durch GOttes Gnade angetreten habe. A. 1743. den 20. Aug. bin ich mit. Jungf. Anna Margaretha, weyl. Joh. Heinr. Fuchs, Schulmeisters allhier eheleiblichen jüngsten Tochter in der Immanuels⸗Kirche zu Altenberga durch Hrn. Pfarrer Schönau copuliret worden. In währender Ehe haben wir durch GOttes Gnade 7 Kinder erzeuget, als 3 Söhne und 4 Töchter, aber nur 2 Söhne und 3 Töchter noch am Leben sind. GOtt schencke mir ferner, zu Verrichtung meines Amtes, seinen heiligen Geist, damit ich auch bis an mein Ende sagen könne: Bis hieher hat der HErr geholffen.

Das Schulhaus liegt neben dem Fürstl. Residentz⸗ und Amt⸗Hause. Es kann nicht angegeben werden, wenn solches erbauet worden. Es ist also ein altes Haus, das theils dem Einsturtz sehr nahe ist. Es bestehet solches aus 2 Stuben, 5 Kammern, einen grossen Boden, einen kleinen gewölbten Keller und ziemlich grossen Stall. Ferner eine Scheure, ein Back⸗ und Waschhaus, beneben 2 Holtzschuppen.

Auszug aus Brückner, Johann Georg: „Sammlung verschiedener Nachrichten zu einer Beschreibungen des Kirchen- und Schulenstaats im Hertzogthum Gotha“, II. Theil, Viertes Stück, Gotha, in Commißion bey Christian Mevius, 1758


Eine Antwort hinterlassen